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Bergsteigen mit Kindern

Kinder sollten sehr behutsam in die Bergwelt eingeführt werden. Bei kleinen Kindern muss das spielerische Erleben der alpinen Umwelt und nicht der „Gipfelsieg“ im Vordergrund stehen. Mit zunehmendem Alter und Übung können die Ziele anspruchsvoller werden. Leider sind immer wieder Eltern zu beobachten, die Kinder, mit viel Druck und wenig Pausen auf Berggipfel bringen. Die meisten dieser zwangsbeglückten Kinder verweigern dann ab der Pubertät jegliche alpinistische Aktivität. Aber gerade in diesem Alter bieten Bergtouren eine hervorragende Möglichkeit der Entwicklung zu Selbständigkeit und Selbstverantwortung.

Auf jede Fall ist zu berücksichtigen, dass unabhängig vom Alter, alle Kinder in leichten Touren Erfahrung sammeln sollten, bevor anspruchsvollere angegangen werden. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, die Fähigkeiten ihrer Kinder einzuschätzen, entsprechende Ziele auszuwählen und während der Wanderung eventuelle Sicherungsmaßnahmen oder auch die Umkehr zu beschließen. Laut Literatur (Alpin-Lehrplan 5, BLV, 1980, Seite 34ff) können Kindern je nach Altersstufe folgende Arten von Bergtouren zugemutet werden:

Bis 6 Jahre

Für kleine Kinder sind praktisch alle Berggipfel unerreichbar. Inwieweit das Tragen der Kinder auf solche Gipfel Sinn macht oder ob man sich nicht lieber leichtere Ziele sucht, bei denen die Kinder selbst aktiv sein können, bleibt natürlich allen Eltern selbst überlassen. Beim Tagen von Kindern ist bei schlechtem und vor allem bei kaltem Wetter zu bedenken, dass die Kinder durch die fehlende Bewegung stark auskühlen.

6 - 9 Jahre

Volkschulkinder können schon erste Gipfelwanderungen mit leichten An- und Abstiegen absolvieren. Die Touren sollten abwechslungsreich und kurz sein (bis etwa 4 Stunden). Die begleitenden Eltern sollten eventuell ihre Kinder bei etwas abschüssigen oder felsigen Stellen an die Hand nehmen.

9 - 12 (Buben) / 9 10½ (Mädchen) Jahre

In diesem Alter sind schon ausgedehnte Wanderungen bis zu 6 Stunden und Gehen in weglosem Gelände sowie leichte Klettereien denkbar. Damit kommen bei Beachtung der Gesamtgehzeit mittlere Touren in Betracht. Trotzdem muss noch mit unüberlegten Handlungen auf Grund noch nicht ausgereifter Selbsteinschätzung gerechnet werden.

12 - 14 / 10½ -13 Jahre (Vorpubertät)

In der Vorpubertät sind ausgedehnte Unternehmungen mit länger anhaltenden Schwierigkeiten zumutbar. Damit werden auch schwierige Touren prinzipiell möglich. Dies darf aber nur schon erfahrenen jungen Wanderern zugemutet werden, da es sonst leicht zu einer gefährlichen Überforderung kommen kann. Die Mitnahme eines kurzen Seils zur Absicherung der schwierigsten Stellen ist ratsam.

Über 14 / 13 Jahre (Pubertät)

In diesem Alter sind eigentlich alle Wanderungen dieses Führers möglich. Dabei ist aber die Gemeinschaft mit gleichaltrigen Jugendlichen wichtig und die Bereitschaft zu gemeinsamen Touren mit den Eltern geht stark zurück. In den geführten Jugendgruppen der alpinen Vereine fühlen sich die jungen BergsteigerInnen deshalb meist wohler und sind schon zu gewaltigen Leistungen bereit.

Wandern und Bergsteigen mit Schülern

In Vorarlberg werden Schulausflüge oft noch als Wandertag aufgefasst. Bergwanderungen bieten eine hervorragende Möglichkeit zu körperlicher Betätigung in der Gemeinschaft und unterstützen auch den Geographieunterricht. Da Schulklassen aber nicht nur bergerfahrene Schüler umfassen, muss man gegenüber dem vorher Gesagten die Grenzen deutlich nach unten setzen. Wichtige dabei ist, dass die begleitenden Lehrer/-innen betreffend Können den Anforderungen weit überlegen sind und ausreichende Fähigkeit zur Schaffung einer disziplinierten Stimmung aufweisen. Interessanterweise sind aber gerade unruhige Klassen in der alpinen Umgebung oft erstaunlich diszipliniert, denn die körperliche Betätigung macht des Schüler/-innen große Freude. Auch Schüler/-innen mit geringer Kondition können durch gleichmäßiges Thempo oft erstaunliche Distanzen und Höhenunterschiede bewältigen.

Volksschule (6 bis 10 Jahre)

Für Volksschulklassen sind fast alle Gipfel zu anspruchsvoll und meist auch zu anstrengend.

Hauptschule, AHS-Unterstufe (10 bis 14 Jahre)

Schüler/-innen der Altersgruppe 10 – 14 Jahre hingegen sind ohne weiters in der Lage, die als „leicht“ klassifizierten Touren zu bewältigen. Man sollte abwechslungsreiche Routen wählen, die viele Möglichkeiten für Pausen bieten. Diese Touren wurden meist mit „Familienfreundlich“ gekennzeichnet.

Oberstufe (ab 14 Jahren)

Schüler/-innen der Oberstufen (also über 14 Jahre) wären prinzipiell reif genug, Touren der Kategorie „mittel“ zu schaffen. Allerdings sollten nur nachweislich erfahrene Schüler/-innen solche Wege angehen. Leider sind in fast allen Klassen auch bergsteigerisch schwächere Schüler/-innen und viele Schüler/-innen besitzen nur Turnschuhe. Somit kommen diese Arten von Touren normalerweise doch nicht in Frage. Wenn doch, sollte die Gruppengröße etwa 10 Schüler/-innen pro Begleitlehrer/-in nicht übersteigen und die Lehrer/-innen sollten erfahrene Bergsteiger/-innen mit deutlichen Reserven betreffend Können und Kondition sein.

 

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Stand: 28.06.10